Ist luzides Träumen Fake oder wissenschaftlich erwiesen?

Ist luzides Träumen Fake oder wissenschaftlich erwiesen?

Luzides Träumen beziehungsweise Klarträumen wird oft immer noch als Fake angesehen, dabei wurde das luzide Träumen schon 1975 wissenschaftlich erwiesen. Echt oder Fake? Überzeuge dich selbst in unserem Artikel über die Klartraumforschung

Manche Menschen sind in der Lage, Bewusstsein über ihren Traumzustand zu erlangen. Dies wird luzides Träumen (engl. lucid dreaming) oder Klarträumen genannt. Der Forscher Paul Tholey beschreibt das Phänomen als eine Form der Klarheit über das Traumgeschehen. Dabei herrscht eine Entscheidungsfreiheit vor, welche mit dem Wachbewusstsein vergleichbar ist. Durch Klarträume erhält man Erkenntnisse über die unterbewusste Bedeutung von Trauminhalten. Luzide Träume werden nach wie vor als seltenes Phänomen betrachtet, dennoch gibt jede fünfte Person an schon einmal, solche Erfahrungen gemacht zu haben.

Die Anfänge der Traumforschung

Die Beschäftigung mit Traumphänomenen hat eine lange Tradition in der Menschheitsgeschichte. Bereits in der Antike gab es den Beruf des Traumdeuters. Als Primärliteratur der Psychoanalyse von Trauminhalten gilt das Buch die Traumdeutung (1900) von Sigmund Freund. Er betrachtete die Traumdeutung als den Königsweg zum Unterbewusstsein. Äußere Sinnesreize und innere subjektive Sinneseindrücke, sowie organische Reize beeinflussen laut ihm das Traumgeschehen. Aus heutiger Sicht können seine Theorien zur Traumdeutung nicht wissenschaftlich bestätigt werden. Trotz dessen werden Deutungen Freuds verschiedener Traumgegenstände oder Ereignissen noch immer von viele Menschen herangezogen.

Die Entdeckung des REM-Schlafs

Eine primär empirische Forschung im Schlaflabor begann in den 50er Jahren. Im Jahr 1953 erzielten Aserinsky und Kleitman einen Durchbruch in der Wissenschaft der Traumforschung. Die Forscher beobachteten bei Kindern Körperbewegungen während des Schlafens. Sie stellten Phasen von schnellen Bewegungen des Augapfels fest. Diese zeigten sich periodisch, in Abständen von ca. einer Stunde. Erstmals wurde dadurch die REM-Phase (rapid eye movements) unter wissenschaftlichen Bedingungen, in einem der ersten Schlaflabore, „entdeckt“. Während der REM-Träume wird die Skelettmuskulatur des Körpers durch neurale Strukturen im Hirnstamm unterdrückt. Dies verhindert eine Handlungsausführung während des Traumgeschehens. Die einzige Ausnahme ist – die Augenbewegung.

Ist luzides Träumen wissenschaftlich erwiesen

Die Geburt der Traumforschung als anerkannte wissenschaftliche Disziplin

Mit der Entdeckung des REM-Schlafes wurden zahlreiche weitere experimentelle Untersuchungen im Schlaflabor durchgeführt. Die Zielsetzung liegt darin, die Traumerinnerung, die Traumfunktion und andere psychophysiologische Aspekte des Träumens zu erforschen. Hierbei wird insbesondere mit der elektrookulografischen Methode (EOG) gearbeitet. Um die Augen werden dazu Elektroden angebracht. So können die sich im Kopfgewebe ausbreitenden Potenzialänderungen der Nervenzellen registriert und erfasst werden. Weitere Schlafphasen konnten nach und nach Unterschieden werden und der Schlafzyklus des Menschen wurde gemessen. Mehr dazu findest du in diesem Artikel.

Luzides Träumen zum ersten Mal wissenschaftlich erwiesen

Das Phänomen des luziden Träumens war bereits seit der Zeit von Aristoteles bekannt. Doch erst vor 50 Jahren konnte es in einem Schlaflabor verifiziert werden. Ja, luzides Träumen ist wissenschaftlich erwiesen! Es wurden dazu die Augenbewegungen in der REM-Phase (rapid eye movement) gemessen. Diese wurden auf Veränderungen der Blickrichtung hin untersucht. Mit dieser Methode wurde das luzide Träumen erstmalig unter wissenschaftlichen Bedingungen von Dr. Keith Hearne und seinem Klartraum-Proband Alan Worsley nachgewiesen. Dies geschah im Jahre 1975. Seitdem folgten zahlreiche weitere Studien. Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass Klarträume meist aus der REM-Phase initiiert werden.

Luzides Träumen während der REM-Phase wissenschaftlich erwiesen

Es ist schwierig die REM-Phase methodisch zu untersuchen. Dennoch konnte belegt werden, dass die Augenbewegungen während des REM-Schlafes mit den Blickrichtungsänderungen durch Traumbilder korrespondieren. Während des bewussten Wahrnehmens der Traumbilder hat man Zugang zu seinen Erinnerungen im Wachzustand. Den bewusst Träumenden ist es möglich, die Augen während des Traumes in einem vorgegebenen Muster zu bewegen. Für gewöhnlich ist dies LINKS-RECHTS-LINKS-RECHTS (LRLR-Methode), um so ein spezielles Muster im EOG zu erfassen. Die Person kann sozusagen aus dem luziden Traumgeschehen aus kommunizieren. Danach wird sie geweckt und um einen subjektiven Traumbericht gebeten. Dieser wird im Anschluss mit den objektiv aufgezeichneten Augenbewegungen verglichen. Auf diese Weise konnte in zahlreichen Schlaflaboren das Klarträumen belegt werden.

Luzides Träumen in der Non-REM-Phase wissenschaftlich erwiesen

Manchmal ist ein durchsichtiges Traumgeschehen, auch aus einem nicht REM-Zustand möglich. Die WILD-Methode („Wake Induced Lucid Dream“) von LaBerge und Dement (1986) versucht dies zu nutzen. Laberge geht davon aus, dass ein Klartraum mit einem erhöhten Level von Aktivität des autonomen Nervensystems einhergeht. Der Körper soll bei dieser Methode im Schlafzustand sein. Der Geist ist jedoch im Übergang zwischen Wachbewusstsein und Traumbewusstsein. Idealerweise wird dies früh morgens durchgeführt. Somit ist auch luzides Träumen während der Non-REM-Phase wissenschaftlich erwiesen.

Das Gehirn eines Klarträumers

Mit neuen bildgebenden Methoden der Neurobiologie, wie der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), können verschiedene Areale des Gehirns abgebildet werden. Im Gehirn sollen die Teile erforscht werden, welche einen Klartraum hervorrufen. Das Max Planck Institut für Bildungsforschung vermutet, dass bei Klarträumen ein spezifisches kortikales Netzwerk aktiviert wird: der rechte dorsolaterale Frontallappen der Großhirnrinde (präfrontaler Kortex), die frontopolaren Regionen und der Precuneus.

Es gilt als erwiesen, dass die Nervenzellen in diesen Sektoren beim Klarträumen aktiver sind. Diesen drei Bereichen wird eine selbstreflektorische Funktion zugeschrieben. Die Wissenschaftlerin Simone Kühn forschte ebenfalls am Max Planck Institut in diesem Bereich. Sie fand heraus, dass bei luziden Träumen eine stärker ausgeprägte Metakognition vorherrscht. Mit Metakognition meint Kühn, eine Form sein eigenes Denken zu hinterfragen, sozusagen Bewusstsein über das eigene Denken. Auch sie belegte in ihrer Studie einen Unterschied zwischen der Größe des frontoportalen Kortex in der Großhirnrinde von Personen, die luzid träumen und jenen, die noch keine Erfahrung damit gemacht haben.

Die Zukunft der Klartraumforschung

Die aktuelle Forschung versucht verstärkt die individuellen Unterschiede von Klarträumenden zu erforschen. Derzeit geht man durch Studien mit dem Big-Five Persönlichkeitstest davon aus, dass Personen mit Klarträumen offener für neue Erfahrungen sind. Hier ist weiterführende Forschung vonnöten, da die Unterschiede auf Selbstauskunft der Probanden beruhen.

Die Vorteile von bewussten Traumreisen werden noch wenig genützt. Diese Fähigkeit, luzides Träumen zu beherrschen ist ein klarer Vorteil speziell für Personen, die Wert auf Bewusstseinsentwicklung und Selbstoptimierung legen. Die Wissenschaft bringt laufend neue Erkenntnisse in der Klartraumforschung zutage. Der REM-Zustand stellt einen tonischen Zustand dar, in dem ideale Bedingungen für das Speichern von Inhalten bestehen. Das Zentralnervensystem ist in erhöhter Aktivierung ohne sensomotorische Störungen. Man ist abgeschirmt von externer Reizzufuhr. Die praktische Nutzung der Erkenntnisse der Neurobiologie wird aktuell in der Bildungsforschung wissenschaftlich untersucht.

Der Klartraumforscher und Sportwissenschaftler Daniel Erlacher erforscht, in wieweit luzide Träume zu Traingszwecken genutzt werden können. Die Ergebnisse sind erstaunlich! Mehr dazu im TV-Beitrag der ARD:

Wer weiß, vielleicht lernen wir in Zukunft neue Sprachen, Sportarten oder Mathematik in luziden Träumen. Oder auch Softskills wie Selbstvertrauen, Gelassenheit, Empathie und Eigenmotivation. Denkbar wäre auch, dass die Traumforschung an einen Punkt kommen wird, wo Trauminhalte anhand der Gehirnströme eines Träumenden bestimmt werden können.

Zukunftstechniken zum luziden Träumen

Weiterhin wird geforscht, wie sich luzide Träume leichter induzieren lassen, sodass jeder Mensch, luzid Träumen kann, wann er will. Verschiedene Gadgets, die über Lichtimpulse oder schwache Stromimpulse, die Luzidität triggern sollen, sind bereits auf dem Markt. Auch gibt es eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmittel, die das Gehirn mit den richtigen Nährstoffen für guten Schlaf und luzide Träume versorgen sollen. Tatsächlich kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass Pflanzenwirkstoffe ein wertvolles Mittel für häufigere und intensivere luzide Träume sind. Auch bei den Kräutern gibt es mehr oder weniger wirksame Exemplare. In diesem Artikel stelle ich dir die 10 besten Kräutertees zum luziden Träumen vor.

So wie vor mehr als 50 Jahren das luzide Träumen als völliger Humbug galt und für unmöglich gehalten wurde, werden wir sicher erstaunt sein, was die nächsten 50 Jahre Traumforschung für uns bereit haben. Bestimmt werden noch viele weitere Aspekte des luziden Träumens wissenschaftlich erwiesen.

Quellen:

  • Baird, B./Riedner, B. A./Boly, M./Davidson, R. J./ & Tononi, G. (2018). Increased Lucid Dream Frequency in Long-Term Meditators but not Following Mindfulness-Based Stress Reduction Training. Psychology of Consciousness: Theory, Research, and Practice. Advance online publication. http://dx.doi.org/10.1037/cns0000176
  • Birbaumer, N. /Schmidt, F.(2010). Biologische Psychologie, Springer Verlag. Kapitel Zirkandine Periodik, Schlaf, Traum, S. 535-570.
  • Erlacher, D. (2005). Motorisches Lernen im luziden Traum: Phänomenologische und experimentelleBetrachtungen, Dissertation, Universität Heidelberg, URL: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/5896/1/Doktorarbeit_EndversionUB_2seitig.pdf
  • Freud, S./Mühlleitner, Elke (2012), Die Traumdeutung, In: Leggewie, C. (Hrsg.), Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften, Bielefeld. S.?
  • Stumrys, T./Erlacher.D./Schädlich M./Schredl, M./(2012). Induction of lucid dreams: Asystematic review of evidence, In: Consciousness and Cognition 21/2012, S. 1456-1475.

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